Im Gespräch mit dem Erfinder des SpeedComfort: Anton van den Broek
Das Erfinderdenken lässt sich nicht abstellen. Und so macht man einfach weiter, auch wenn man schon über sechzig ist. „Jeden Tag fällt mir etwas auf, das mich zum Nachdenken bringt. Und nachts träume ich davon.“ Anton ist der Wegbereiter des SpeedComfort. Damit ist er sehr reich geworden – allerdings nicht in Geld gemessen.
Die Welt der Erfinder ist keine einfache, beginnt Anton und schöpft dabei aus eigener Erfahrung. Zum einen wegen des bereits erwähnten Umstands: Man ist rund um die Uhr damit beschäftigt. Seine Frau hat ihm dringend geraten, sich nach dem Ruhestand etwas mehr zu entspannen. Er versucht es, doch so recht gelingen will es ihm nicht, berichtet er aus seinem Arbeitszimmer zu Hause. Antons Frau – er hat eine wunderbare Frau – findet sich langsam damit ab.
Konkurrenz lauert überall
Zum anderen gibt es immer Leute, die nur darauf warten, mit der eigenen Idee davonzukommen. Anton ist, das muss man wissen, ziemlich redselig. Wo immer er hinkommt, plaudert er ausführlich über seine Ideen. Später begegnen ihm diese Ideen dann, von anderen präsentiert, an anderer Stelle oder in etwas abgewandelter Form wieder. Aber hey, denkt Anton dann, das hatte doch ich mir ausgedacht? So läuft das offenbar.
Geldorientierung versus wahrer Reichtum
Zum dritten geht es beim Erfinden oft ums Geld: Wie kann ich mit einer guten Idee möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen? Dieser finanzielle Antrieb bringt vielleicht eine Menge Geld ein, richtet aber auch viel Schaden an, wie Anton in seinem Umfeld beobachtet. Die Menschen fragen den gebürtigen Utrechter Erfinder manchmal, warum er nicht in einer großzügigen Villa wohnt. Daran mag er gar nicht denken – mit einem großen Zaun drumherum, abgeschottet von allem und jedem. Er hält es lieber bodenständig. In ihrem Reihenhaus in Zeist lebt er seit über 30 Jahren glücklich, in der Nähe seiner Familie und seiner Lieben, umgeben von wundervollen Nachbarn. Das ist wahrer Reichtum.
Sein erster Heizkörper
In eben diesem Haus montierte Anton vor etwa 15 Jahren einen ersten kleinen Ventilator unter seinem Heizkörper. Damals unterrichtete er technische Fächer an der Fachhochschule Rotterdam und wunderte sich darüber, wie ineffizient Heizkörper ihre Wärme abgeben. Die Wärme stößt dabei gewissermaßen auf eine Luftbarriere. Der einzige Weg, diesen Widerstand zu überwinden, sei ein Ventilator, davon war er überzeugt.
Antons Werdegang
Sein Erstaunen darüber beschäftigte ihn jahrelang. Bereits mit 16 begann er seine Laufbahn bei einem Installationsbetrieb, dessen Miteigentümer er mit 18 wurde. Antons Vater, ein Mann vom alten Schlag, fand: Sobald man seine Hände gebrauchen kann, muss man arbeiten. Jahrelang schuftete Anton bei der Installation von Zentralheizungen, vor allem in Utrecht und Umgebung. Als er auf die 50 zuging, interessierte er sich zunehmend für nachhaltige Technologien, und Freunde drängten ihn, sein Wissen unbedingt an die nächste Generation weiterzugeben. Daher sein Karrierewechsel in den Lehrerberuf. Sein Ideenreichtum nahm dadurch nur noch weiter zu.
Von der Idee zum Produkt
Anton stellte fest, dass sein Ventilator-Prototyp Wirkung zeigte. Sein Wohnzimmer wurde schneller warm und seine Heizungsanlage arbeitete effizienter. Doch damit war es nicht getan. Eine gute Idee braucht mehr als nur einen geistigen Vater. Um daraus tatsächlich ein gelungenes Produkt zu machen, spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Zum Beispiel die richtigen Menschen, weiß Anton – Menschen, bei denen nicht in erster Linie das Geld im Vordergrund steht. Die aber sofort vor Augen haben, wie die Idee als Produkt aussehen könnte, das die Menschen kaufen möchten. Und Menschen, die das Produkt mit einer überzeugenden Botschaft vermarkten können. Nachdem Anton seine Idee dem Unternehmer Pieter van der Ploeg vorgestellt hatte, entwickelte sich SpeedComfort zu einem Unternehmen.
Weitere wichtige Faktoren
Auch zuverlässige Hersteller sind ein wichtiger Faktor. Im SpeedComfort kommen hochwertige Materialien und Komponenten zum Einsatz. Je hochwertiger die Hersteller und Lieferanten, desto mehr Fachwissen holt man ins Unternehmen, um das Produkt weiterzuentwickeln. Ein weiterer Faktor ist die Zeit. In den Anfangsjahren des SpeedComfort standen die Energiekosten bei vielen Hausbesitzern noch längst nicht besonders weit oben auf der Tagesordnung. Das änderte sich mit den Energiekrisen. Erst dann wurde Energiesparen in der Bevölkerung zum Allgemeingut.
Die erste erfolgreiche Messe
Anton erinnert sich noch an eine VSK-Messe in Utrecht vor etwa zehn Jahren. Auf dieser berühmten Messe für die Installationsbranche war er Jahrzehnte zuvor mit seinem eigenen Installationsbetrieb vertreten gewesen. Jahre später nahm er dort zum ersten Mal mit dem SpeedComfort teil. Ein schöner Moment war das. Schlangen vor dem Geldautomaten. Hunderte SpeedComforts gingen über den Ladentisch. Am Ende des Tages tat ihm vom Kistenschleppen der Rücken weh.
Inzwischen auch bei Familie Van den Berg
Anton hat das Wachstum des Unternehmens SpeedComfort miterlebt. Inzwischen ist er weniger in das Unternehmen eingebunden. Er besitzt ein Aktienpaket, aber vielleicht sollte er es doch einmal verkaufen – das hat er seiner Frau vorsichtig versprochen. Der Strom an Ideen versiegt nicht. Ein Wasserhahn, der automatisch wieder auf kalt zurückspringt. Ein Sonnenschirm mit Solarzellen. Aber auch, aus Liebe zu seiner Heimatstadt, ein kleines Dom-Modell, in das man ein Teelicht stellen kann. Die SpeedComforts hängen derweil nach wie vor geräuschlos unter seinen Heizkörpern und sorgen für angenehme Wärme im Hause Van den Berg.